Montag, 22. April 2013

Nachträge zum Rosenschnitt


Mein Rosenschnitt wurde heute fertig, bei Temperaturen wie Ende Februar. Dabei ging mir so einiges durch den Kopf, was ich mir in den letzten 20 Jahren durch Learning by Doing beigebracht hatte. Schnittbeschreibungen in Büchern sind ja schön, aber dann stehst du im Garten und überlegst, ist das nun altes Holz und muss raus oder nicht oder es ist eine Rose, deren Schnitt im Buch nicht vorkam, denn der Wuchs sieht so völlig anders aus.
 
Also nur Mut, mit der Rose reden - sie antwortet aber leider erst in 2-3 Monaten. Man kann bei einem schon etwas größeren Strauch eine Hälfte kräftig zurück- bzw. ausschneiden, die andere vorsichtig. Während der Blüte und danach siehst du dann, was besser war. Wichtig ist, dass ein schöner Gesamteindruck mit einer reichen Blüte entsteht. Die meisten Historischen Rosen verzeihen Fehler sehr großzügig. Altes Holz, das ist ein stark verästelter Zweig im zweiten oder dritten Jahr. Wenn du ihn nicht herausnimmst, beobachte, wie stark er blüht - meist weniger und kleinere Blüten, dann sofort nach der Blüte entfernen, die Lücke füllt sich schnell! Das kann bei einer Gallica anders aussehen als bei einer Bourbon - da hilft nur Erfahrung sammeln.

Bei einer neuen Rose muss man sich oft herantasten, denn sie wächst nicht in jedem Fall wie der Rest der Gruppe. Eine Bourbon z.B. kann manchmal als kleine Kletterrose gezogen werden, da muss man vorsichtig schneiden und beobachten - sie soll unten nicht kahl werden und auch als Kletterrose ein schöner, hoher Strauch werden.
 
Auch Remontants kann man nicht über einen Leisten scheren, hinzu kommt eine unterschiedliche Frostempfindlichkeit. Da sieht man an einem Trieb Knospen, die offenbar noch leben - aber an einer Stelle oder Abzweigung sieht der Trieb eigenartig Rot bis Schwarz aus. Meist, aber nicht immer, wird der Trieb hier absterben, die Knospen entwickeln sich einige Wochen aus der Zweigsubstanz, bis sie verwelken. Ich bin da immer vorsichtig und schneide so etwas nach einigen Wochen nach, denn abgeschnitten ist abgeschnitten und dann fehlen evtl. viele Blüten!
  
 Einige moderne Rugosa brauchen immer wieder einen kräftigen Rückschnitt, z.B. 'Pink Grootendorst', 'White Grootendorst' oder 'Basye's Purple Rose'. Wenn sie unten verkahlen oder die Blüte sehr schwach wird, kräftig schneiden und nach einigen Jahren wiederholen.
Kletterrosen und Rambler 
  
Zu diesen beiden Gruppen kann ich keine aktuellen Bilder liefern, aber mit meiner Dornröschenhecke im alten Garten, die ca. 5 x 20 m groß war und für zusätzlich weitere 13 Rambler brauchte ich immer eine Woche und 1 - 2 Tage am Häcksler. 
 
Eine Kletterrose wird idealerweise als Spalier gezogen, ein Zweig nach rechts, einer nach links und dann noch, je nach Platz, eine zweite oder dritte Ebene darüber, entweder aus Grundtrieben oder Seitenzweigen ziehen. Die waagrechten Äste bilden viele Seitenäste, die auf 30 bis 50 cm gekürzt werden und so die Fläche ausfüllen. Eine Kletterrose am Rosenbogen neigt dazu, im senkrechten Teil des Bogens kahl zu werden und im oberen Bogenteil einen Wuschelkopf zu bilden. Oben müssen die Seitentriebe kurz gehalten werden und im senkrechten Teil muss man einen Haupttrieb oder Seitentriebe waagrecht oder im Zickzack ziehen. Dies geht mit einem niedrigen Rambler, dank der flexibleren Triebe leichter.
 
Meine Rambler wuchsen an 5 m hohen Dreibeinen. Bei z.B. 'White Flight', 'Donau', 'Geschwinds Orden' mussten Triebe, die geblüht hatten, spätestens im zweiten Jahr komplett entfernt werden. Andere, z.B. 'The Garland', der an einem Drahtgerüst wuchs, war nicht besonders frosthart und es mussten aus dem Stacheldrahtverhau komplette oder Teiltriebe herausgeschnitten und herausgezogen werden. Hier war es wichtig, früh zu schneiden, denn schon austreibende Knospen brachen sonst zahlreich ab und es ist um die herrlich duftenden Blüten sehr schade!
 
Bei 'Bobbie James', der in einen sehr großen alten Apfel- und Birnbaum wuchs, habe ich mich darauf beschränkt, abgestorbene Zweige, die unter den Wirtsbäumen hingen, abzuschneiden oder mal einen kompletten Ast, der sicher abgestorben war, herauszuziehen, falls das überhaupt möglich war. Der Rest arbeitete sich an die Oberfläche der Obstbäume und blühten über und über.


François Guillot wuchs an einem Rankgitter und ging von dort durch die Dachrinne aufs Garagendach - dort war es schön warm!

 
Bei dieser Wichuraiana musste wenig geschnitten werden, alle paar Jahre einmal ein sehr alter oder abgestorbener Zweig.


Kommentare:

  1. Rosen schneiden ist wie du es schreibst. Da stehe ich mit meine Schäre und weiss nicht wass zu tunn.
    Bei uns wird oft geschrieben die Röser biss 10 cm zu kurzen aber bekommt man dann noch ein grösser strauch. Ich habe am liebsten viele Blumen. Herzlichen dank für das teilen ihre erfahrungen.
    Schöner Tag gewünscht Rudolf.

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  2. Wenn Du eine Historische Rose so schneidest, bekommst Du keinen Strauch und keine Blüten. Das gilt nur für Moderne Beetrosen. Eine Moderne Strauchrose darf auch nicht so kurz geschnitten werden, höchstens 1/3 einkürzen.
    Viele Grüße
    Rudolf

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  3. Ich habe eine Rosen gerade letzte Woche geschnitten, allerdings gibt es da nicht so viel zu schneiden, meine Rosen sind ja noch jung:-)
    Eine schöne Anleitung.

    Lieben Gruß Cordula

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  4. Ich habe heute die ersten zwei geschnitten. Bei meiner einmal blühenden Kletterrose stehe ich jetzt allerdings vor dem Problem, nehme ich das alte Holz (ein Ast ist teilweise geplatzt, aber oben herum noch grün)jetzt heraus, oder warte ich bis nach der Blüte. Jetzt so ohne Blätter ginge es natürlich besser.
    Vielleicht kannst du mir da ja weiterhelfen.
    GlG Christina

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    1. Hallo Christina,
      schwierig aus der Entfernung - aber bei solchen Zweifelsfällen: lass den Ast stehen, wenn er die nächsten 4 Wochen überlebt und nicht alles Grüne plötzlich verwelkt, wird er auch blühen. Danach dann rausschneiden, damit die Kraft in neue Triebe gehen kann.
      LG Rudolf

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  5. Hallo Rudolf,
    diese Hinweise kann ich mir hoffentlich im nächsten Jahr nochmals durchlesen. Denn meine White Flight hat nur noch 4 kleine neuere Triebe - alles andere ist wieder verfroren. Auch White Rambler (ev Rambling Rector) sieht nicht gut aus und Climbing Schneewittchen treibt oben zwar gut aus, hat aber am allerletzten Austrieb 3cm über dem Boden diese merkwürdige braun-schwarze Stelle ...
    Je länger ich warte, um so mehr zeigt sich, dass ich immer mehr wegschneiden kann. Bei uns werden erst nach und nach die Märzschäden deutlich :-(
    Lediglich die sehr wehrhafte Hedi Grimm am Steg zeigt mir schon ziemlich genau wo die Reise in diesem Sommer hingeht. Und Polstjärnan ist wohl wirklich erstaunlich frostfest. Ebenso R. brunonii, R. helenae und eine No Name Wildrose. Da werde ich im Laufe der Jahre viel Spass haben und reichlich Zeit brauchen.
    Ansonsten werde ich mich in diesem Jahr wohl erst nach und nach mit den Rosen beschäftigen - je nachdem wer wann mit mir 'spricht'.
    Außerdem kämpfe ich im Moment ganz extrem mit der Ostgrenze, die ich das letzte Mal wohl vor 2 Jahren betreten habe. Da sind inzwischen Ligusterhecke, Schlingknöterich, Apfelbäume und Zwetschge eine enge Verbindung eingegangen. Das sind einige Tage Krafttraining ;-)
    LG Silke

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  6. Lieber Rudolf,
    ich habe mir deinen Bericht gleich mal abgespeichert :-)
    Vielen Dank dafür :-) Ja, vieles ist wirklich Erfahrung und
    man muss Vergleiche zum Vorjahr ziehen. Ich hoffe dieses Jahr
    wieder auf viele Blüten und hoff nicht zu viel abgeschnitten zu haben.
    Ganz viele liebe Grüße Urte

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    1. Hallo Urte,
      das glaube ich nicht, wenn man Deine Rosenbilder sieht! Zu viel schneiden nur immer die dummen Gärtner bei meinen Fundrosen auf dem Lauterbacher Friedhof ab. Da wird alles wie Moderne Rosen geschnitten, sodass sie oft kaum blühen. Aber sie stehen jetzt alle bei mir im Garten und entwickeln sich gut, d.h., es sind bei allen viele Blüten in diesem Jahr zu erwarten!
      Liebe Grüße
      Rudolf

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