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Samstag, 24. März 2012

Frost und Rosenklassen


Dank des warmen Frühlingswetters sind die Knospen der Rosen innerhalb weniger Tage dick geworden, die ersten Blätter lugen hervor und ich konnte die Rosen schneiden. Es war jetzt sicher zu unterscheiden, was lebt und was ist erfroren.


Sidonie mit altem und neuem Laub
Remontant-Hybride, 1847 - Vibert, Frankreich

Der extrem milde Dezember und Januar hatte die Rosen ja bereits in Austriebslaune versetzt, als dann plötzlich der starke Frost mit bis zu minus 20°C kam.
Gelitten haben alle modernen, öfterblühenden Rambler, wie 'Super Dorothy', 'Gela Tepelmann', alle Noisette-Hybriden, die ja von ihrer Herkunft her nicht sehr frostsicher sind, und alle Wichuriana-Hybriden. Sie sind alle bodengleich abgefroren, da hat auch das Einpacken in Schutzvlies nicht geholfen. 

 

Jeanne Richert
Wichuraiana, Walter - 1929, Frankreich
Duft: 2, leicht und fruchtig

Gleiches gilt für alle Moschatas. Multiflora-Hybriden haben unterschiedlich gelitten, die von Geschwind - Ännchen von Tharau, Geschwinds Schönste, Geschwinds Orden und Gilda - überhaupt nicht. Nur einige schwache Triebe oder Spitzen mussten beschnitten werden.




Ännchen von Tharau
Multiflora-Hybride, 1886 - Geschwind, Österreich-Ungarn
Duft: 3, gutes, fruchtiges Parfum, Zimt



Gilda
Multiflora, 1887 - Geschwind, Österreich-Ungarn
Duft: 2-3, gutes Parfum, fruchtig

Den eigentlichen Historischen oder Alten Rosen
konnte aber auch dieser Winter nichts anhaben. Nur die jüngeren Klassen, wie Bourbons oder Remontant-Hybriden hatten z.T. leichte Schäden, schwache Triebe oder Teile der Zweige mussten entfernt werden. Nur 'Prince Charles' hatte, wie fast jeden Winter stark gelitten.


Prince Charles
Bourbon, 1842 - namenloser Gärtner des Jardin du Luxembourg, Frankreich
Duft: 3-4, fruchtig mit einem Hauch von Erdbeere und Zitrone

Über die Einteilung der Alten Rosen in Alba, Gallica, Centifolie, Damaszener, Bourbon und Co. ist schon viel geschrieben und gestritten worden. Da werden geografische Daten zur Einteilung genommen, wie bei den Damaszenern oder Bourbons, verbunden mit morphologischen Kennzeichen oder genealogische, wie bei den Gallicas, die alle von Rosa gallica abstammen sollen und dann von Gallien oder Frankreich vereinnahmt wurden, auch wenn die Ersten in Holland entstanden sind.

Nun sind die Einstufungen, bedingt durch die mehr oder weniger starke Hybridisierung oft umstritten und es wird dann argumentiert, das muss eine Centifolie sein, denn die Stacheln sind typisch, obwohl die Eltern zwei verschiedenen Klassen angehören. Mich interessiert dieser Streit nicht, mich hat es auch nie interessiert, warum die Haarfarbe meines Sohnes so sehr aus den mir bekannten Familienrastern herausfällt. Man könnte natürlich eifrig DNA-Analysen machen, würde sich dann aber weiter streiten, welche Gene sind denn nun typisch für diese Klasse.
Wer hier tiefer einsteigen möchte, dem seien z.B. die umfangreichen Ausführungen von François Joyaux in 'Enzyklopädie der Alten Rosen' empfohlen.

Ein gutes Beispiel für die Problematik der Klasseneinteilungen ist


Duchesse de Montebello
China-Hybride, 1824/1825 - Laffay, Frankreich
Duft: 3-4, süßliches Parfum, etwas Zitrone, Gewürz

In der Literatur steht sie meist als Gallica, wird aber auch, wohl wegen der Blütenfarbe oder der wenigen Stacheln, als Alba gepriesen. Oft, wenn man eine 'Small Maidens Blush' bestellt, erhält man fälschlicherweise eine 'Duchesse de Montebello'. Sie soll eine Kreuzung aus einer Chinarose und einer Gallica sein. Laffay hat sie deshalb als Chinarose eingestuft. 

Es ist, glaube ich, eine gute Sache, wenn man sich der Einstufung des Züchters anschließt oder, wenn die nicht bekannt ist, der Klassifizierung von Simon und Cochet in 'NOMENCLATURE DE TOUS LES NOMS DE ROSES' (Paris, 2e Èdition 1906), die nahezu vollständig mit der Klassifizierung der Züchter übereinstimmt.

Anhand von 'Duchesse de Montebello' lässt sich noch etwas Interessantes aufzeigen. Laffay nannte sie eine Bengalrose. Das ist aber nur ein anderer Name für eine Chinarose, der zu jener Zeit aufkam. China hatte im 18. Jahrhundert zahlreiche Gartensorten hervorgebracht. Da vor den Verträgen von 1840 - 1860 kein Europäer ins Landesinnere durfte, lief der Handel ausschließlich über den Hafen von Kanton und die meisten Rosen stammten aus der großen Gärtnerei Fa Ti in der Nähe dieses Hafens. Hauptimporteure waren die Engländer. Da die Rosen den langen Seetransport nicht überstanden hätten, wurden sie in Kalkutta, im indischen Bengalen - dem Hauptsitz der Ostindien-Kompanie - zwischenkultiviert. So entstand der Name Bengalrosen, ein Synonym für Chinarosen. Auch heute wird der Name gern benutzt und somit eine zusätzliche Rosenklasse vorgetäuscht - es lebe das Geschäft!

Auf meinem Schild steht noch Gallica - bei der nächsten Auflage wird es geändert.

Samstag, 3. März 2012

Hagebutten und Vögel


Wie macht man Amsel, Singdrossel und Wacholderdrossel glücklich? Ganz einfach, pflanzen Sie einige ungefüllte bis halbgefüllte Rambler!

Den Abertausenden Blüten folgen im Herbst Abertausende kleine Hagebutten - und diese lieben sie: Ein Schnabelhieb und die Hagebutte kann heruntergeschluckt werden. Die großen Hagebutten der Strauchrosen sind dann uninteressant, die machen zu viel Arbeit!


Bobbie James

Und so sah die Blütentraube im Juni aus:


Oder White Flight, in Blüte:



...........und als Hagebutte. Die Vögel sind so begeistert von dieser Frucht, dass das Ergebnis Orange wird.

Auch sehr lecker sind diese:



The Garland
Moschata-Hybride, 1835 – William Wells, UK
Duft: 3-4, Gewürznelken und Orangen, je nach Temperatur und Tageszeit

Diese Rose ist etwas für Liebhaber von Stacheldraht, aber das stört nur im Spätwinter, wenn man alte und erfrorene Triebe herausschneidet und versucht den Rest in schöner Form aufzubinden. Laut Literatur duftet sie nach Orangen, das tut sie auch. Dann kam ich aber an einem warmen Nachmittag zu ihr, und da duftete sie plötzlich intensiv nach Gewürznelken. Ich habe nie heraus-gefunden, unter welchen Bedingungen sie den Duft wechselte, mich aber immer gern überraschen lassen.



Francis E. Lester
Moschata, 1946 - Lester Rose Gardens, USA
Duft: 3, fruchtig

Wenn eine Rosenblüte stark gefüllt ist, sind Staubgefäße in Blütenblätter umgewandelt, folglich entstehen auch keine oder nur sehr wenige Früchte.





Adélaïde d'Orléans
Sempervirens-Hybride, 1826 - Jacques, Frankreich
Duft: 2, zarter Primelduft

Es macht den Vögeln natürlich keinen Spaß, diese wenigen Hagebutten zu suchen, vor allem, wenn nebenan der Tisch überreich gedeckt ist.

Wir Menschen haben natürlich andere Kriterien, warum wir diesen prächtigen Rambler in unseren Garten pflanzen.

Aber aufgepasst, es tummelt sich, vor allem in ihrer Heimat Frankreich, eine falsche 'Adélaïde d'Orléans' in den Rosarien und Rosengärtnereien:


Adélaïde d'Orléans (falsch)

Mit diesem Namen steht sie im Parc de Bagatelle, im Bois de Boulogne, Paris. Zum Glück haben wir einen frühen Zeitzeugen, der beweist, welche Rose die Richtige ist: Pierre-Joseph Redouté hat sie in seinen vorzüglichen kolorierten Stichen verewigt.



Pierre-Joseph Redouté, Choix des Plus Belles Fleurs (1827-33)
 Adélaïde d'Orléans



Rose-Marie Viaud
Multiflora-Hybride, 1924 - Igoult, Frankreich
Duft: 2, schwach fruchtig

Auch dieser Rambler ist nichts für Vögel, da lohnt das Suchen nicht. Aber ich habe mich spontan in sie verliebt, als ich sie 1992 in Sissinghurst Castle in Südengland sah. Sie steht dort an einer alten Bachsteinmauer und rankt über einen Durchgang.

Dafür produziert 'Donau', die Mutter der 'Jeanne du Volcan' reichlich Futter.



Donau



Jeanne du Volcan

Aber auch die Tochter 'Jeanne du Volcan' trägt Hagebutten, wenn auch nicht so viele, da die Blüten stärker gefüllt sind.

Zahlreiche Hagebutten bildet hingegen 'Tuscany Superb', aber die vergammeln unbeachtet am Strauch - zu groß, macht zu viel Arbeit! Auch Vögel sind bequem!




Tuscany Superb
Gallica, vor 1837 - Rivers, UK
Duft: 2-3, leicht fruchtig

Hagebutten von Strauchrosen erbauen also nur uns Menschen mit ihren unterschiedlichen Formen und Farben, Vögel kann man nur mit den kleinen Früchten der Rambler erfreuen!

Hier noch eine kleine Auswahl der dekorativen, dicken Früchte:
 


Aimable Rouge
Gallica, 1819 - 1820, Vibert, Frankreich
Duft: 2-3, frisches leichtes Gewürz, Kardamom




Baron Girod de l'Ain
Remontant-Hybride, 1897 - Reverchon, Frankreich
Duft: 3-4, fruchtiges, leichtes Parfum




Bourbon Queen
Bourbon, 1834 - Mauget, Frankreich
Duft: 3, schwach fruchtig, Zitrone



Duchesse de Montebello
Gallica, 1824/1825 - Laffay, Frankreich
Duft: 3-4, süßliches Parfum, etwas Zitrone, Gewürz





Étoile de Hollande
Tee – Hybride, Etoile de Hollande ist der kletternder Sport der Buschform, die 1919 von Verschuren, Holland gezüchtet wurde.
 Die Kletterrose wurde 1931 durch Leenders, Holland eingeführt
Duft: 4, starker Gewürzduft, Kardamom




Gloire de Guilan
Damascena, 1949 von Nancy Lindsay im Iran gefunden
Duft: 3, leicht fruchtiges Parfum




Marbrée
Portland, 1858 - Moreau-Robert, Frankreich
Duft: 3-4, süßes Parfum, Vanille mit einem Hauch von Zitrone 



Madame Grégoire Staechlin, mit Rauhreif
Tee-Hybride, 1927 - Pedro Dot, Spanien
Duft: 3, stark fruchtig



Président de Sèze
Gallica, 1828 - Hébert, Frankreich
Duft: 4, süß



Prince Charles
Bourbon, 1842 - namenloser Gärtner des Jardin du Luxembourg, Frankreich
Duft: 3-4, fruchtig mit einem Hauch von Erdbeere und Zitrone



Rosa gallica 'Violacea'
Gallica, Ende 18. Jahrhundert - Niederlande
Duft: 2-3, sehr angenehmes, fruchtig, gewürziges Parfum