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Montag, 16. April 2012

Rosen und Farben



Vor einigen Tagen schrieb mich ein HMF-Administrator an und äußerte Zweifel an einem von mir dort eingestelltem Foto einer Rosenblüte. Dies brachte mich auf die Idee, über die Farbvariabilität bei Rosen zu berichten.








Sie werden es vermutlich auch nicht glauben, aber dies ist jedes Mal eine Blüte von derselben Pflanze. Mit meinem Fotoprogramm werden Bilder etwas nachgeschärft, die Farbsättigung und ggf. die Helligkeit korrigiert. Farbkorrektur ist tabu! Vor jedem Foto wird ein manueller Weißabgleich gemacht - Sonne, Schatten, Wolken - und bei sehr hellen Blüten eine Blendenkorrektur von 1/2 bis 1 Stufe, dann stimmen bei nahezu allen Fotos die Farben und der "beliebte" digitale Blaustich wird sicher vermieden.
Diese Rose stammt als wurzelechter Steckling aus Sangerhausen. Die ersten 4 Bilder entstanden auf dem Balkon - Container mit Blumenerde - bzw. einer Blüte in der Vase. Ein Jahr später (2011) wuchs die Rose im Garten, in schwerem, tonhaltigem Lehmboden - Bild 5 bis 7.

August Jäger beschreibt 1936 die Blüte der Sangerhäuser Mutterpflanze im Rosenlexikon als "blut-rot, purpur-zinnober schattiert, zuweilen mit karmesin Reflexen".

Es ist Grand-Duc Alexis. So habe ich sie in Sangerhausen gesehen:


Grand-Duc Alexis
Remontant- Hybride, 1892 - L. Lévêque & fils, Frankreich
Duft: 4, intensives, frisches Parfum mit zarten Gewürznoten

Mit der Beschreibung "blutrot" gehe ich nicht einig, es fehlt auch der Hinweis auf die silbrigen Schattierungen. Grand-Duc Alexis zeigt aber sehr schön, dass eine Jungpflanze farblich stark abweichen kann und neben dem Alter, die Unterlage, der Boden, das Klima und das Licht eine große Rolle für die Farbe einer Rosenblüte spielen können. Auf die Farbe in diesem Sommer bin ich gespannt!

Vor einer anderen Rose habe ich auch schon oft gestanden und gedacht, die sah doch letztes Jahr ganz anders aus........!



Président de Sèze
Gallica, 1828 - Hébert, Frankreich
Duft: 4, süß

Bei dieser Rose hatten auch schon einige andere Rosenfreunde das gleiche Problem!



Mittwoch, 29. Februar 2012

Ein langer Weg


       
 
Heroïne de Vaucluse
Bourbon, 1863 - Moreau-Robert, Frankreich
Duft: 4, starkes würziges Parfum, ein Hauch Zitrone, Muskat
Perfekt für Rosenmarmelade!

Es begann 1991 während einer Führung durch Ingwer Jensen über seine Rosenfelder in Tornesch, nördlich von Hamburg. Er präsentierte seine Englischen Rosen, Züchtungen von David Austin aus den achtziger Jahren. Ihre herrlichen Pastellfarben und intensiven, exotischen Düfte begeisterten.  Seit dem Herbst jenes Jahres wachsen Rosen auch in meinem Garten. Bis dahin mochte ich Rosen nicht, da ich nur die "hässlichen" Tee-Hybriden aus den Vorgärten meiner Jugend kannte - sparrige Büsche, mit wenigen, großen Blüten in Farben, die meine Augen beleidigten, meist ohne jeglichen Duft. Das nächste prägende Erlebnis war 1992 die Begegnung mit Historischen Rosen in Englands Gärten.

Danach war es endgültig um mich geschehen - eine große Liebe und Leidenschaft begann.
 

Meine Dornröschen-Hecke

Nach wenigen Jahren wuchsen 23 Austin-Rosen und 120 Historische Rosen in meinem Garten.

Höhepunkt meiner Rosenkarriere war ein Natursämling, der eines Tages im Jahre 2005 unter 'Donau' entdeckt wurde. Er spannte mich 3 Jahre auf die Folter, bis er endlich blühte.


Jeanne du Volcan
Multiflora-Hybride, 2005 - Natursämling entstanden in meinem Garten
Duft: 1-2, angenehm zart fruchtig

Da hatten vermutlich die zahlreichen Bienen und Hummeln etwas Pollen von der nahen 'Bobbie James' zur 'Donau' geschleppt und den Rest hatte die Natur erledigt.

Merke: Mache mit deiner Hacke einen großen Bogen um jeden Rosensämling - es könnte eine Schönheit werden.

Ein Name musste her. Eine schöne Rose kann nur einen französichen Namen bekommen: 'Jeanne du Volcan'. Der Vogelsberg, der größte Vulkan unserer Heimat, seit über 10 Millionen Jahren erloschen, sowie eine Bekannte von mir wurden Taufpaten.

Hier die glücklichen Eltern:


'Donau'
Wichuraiana, 1913 - Praskac, Österreich-Ungarn
Duft: 1-2, schwach, lieblich, fruchtig


'Bobbie James'
Multiflora-Hybride, Graham Thomas von der Sunningdale Nursery, UK entdeckte dort 1960 diese Rose, die als Natur-Sämling entstanden war.
Duft: 4, fruchtig, süß nach Erdbeeren
Wenn man sich bei warmem Wetter auf eine Leiter stellt, wird man vom Duft der Abertausend Blüten betört, obwohl die einzelne Blüte nur mittelstark duftet. 
 
Wie man sehen kann, haben es mir Rambler besonders angetan. Sie wuchsen an 5 m hohen Dreibeinen oder in alte Obstbäume hinein. Die tausende Blüten während der 4-6 Wochen Blütezeit, mit mehr oder weniger Duft und angefüllt mit dem Gesumm der Bienen und Hummeln, faszinierten mich.

 

Charles de Mills, Président de Sèze, Hippolyte und Cardinal de Richelieu
 
Aber auch die Strauchrosen, die während ihrer Blüte im Juni 300 oder sogar 500 Blüten hervorbringen, meist mit einem tollen Duft und Farben, die der Seele schmeicheln, füllten bald den Garten. Dazu dann noch einige Remontant- und Portlandrosen, die in mehreren Schüben bis zum Spätherbst blühen, wenngleich die Büsche meist nicht ganz so schön aussehen, wie die der einmalblühenden Rosen, die auch nach der Blüte ein schönes Bild abgeben.


Aimable Rouge
Gallica, 1819-1820 - Vibert, Frankreich
Duft: 2-3,  frisches leichtes Gewürz, Kardamom

Im Jahre 2010 musste mein Rosengarten aus persönlichen Gründen umziehen. Es ging in ein provisorisches Quartier in Herbstein-Lanzenhain im Hohen Vogelsberg. Die Rosen wurden in einer Wiese von 3830 m² eingeschlagen und verbrachten den Sommer und einen Winter zwischen Schafen und Kröten am Ellerbach.





Leider klappte es mit dem Kauf des Grundstücks nicht, es wäre sonst ein Park mit Alten und Historischen Rosen entstanden, die für das rauhe Klima am Vogelsberg besonders geeignet sind.

Händeringend wurde ein Ersatzgrundstück gesucht.