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Samstag, 3. März 2012

Hagebutten und Vögel


Wie macht man Amsel, Singdrossel und Wacholderdrossel glücklich? Ganz einfach, pflanzen Sie einige ungefüllte bis halbgefüllte Rambler!

Den Abertausenden Blüten folgen im Herbst Abertausende kleine Hagebutten - und diese lieben sie: Ein Schnabelhieb und die Hagebutte kann heruntergeschluckt werden. Die großen Hagebutten der Strauchrosen sind dann uninteressant, die machen zu viel Arbeit!


Bobbie James

Und so sah die Blütentraube im Juni aus:


Oder White Flight, in Blüte:



...........und als Hagebutte. Die Vögel sind so begeistert von dieser Frucht, dass das Ergebnis Orange wird.

Auch sehr lecker sind diese:



The Garland
Moschata-Hybride, 1835 – William Wells, UK
Duft: 3-4, Gewürznelken und Orangen, je nach Temperatur und Tageszeit

Diese Rose ist etwas für Liebhaber von Stacheldraht, aber das stört nur im Spätwinter, wenn man alte und erfrorene Triebe herausschneidet und versucht den Rest in schöner Form aufzubinden. Laut Literatur duftet sie nach Orangen, das tut sie auch. Dann kam ich aber an einem warmen Nachmittag zu ihr, und da duftete sie plötzlich intensiv nach Gewürznelken. Ich habe nie heraus-gefunden, unter welchen Bedingungen sie den Duft wechselte, mich aber immer gern überraschen lassen.



Francis E. Lester
Moschata, 1946 - Lester Rose Gardens, USA
Duft: 3, fruchtig

Wenn eine Rosenblüte stark gefüllt ist, sind Staubgefäße in Blütenblätter umgewandelt, folglich entstehen auch keine oder nur sehr wenige Früchte.





Adélaïde d'Orléans
Sempervirens-Hybride, 1826 - Jacques, Frankreich
Duft: 2, zarter Primelduft

Es macht den Vögeln natürlich keinen Spaß, diese wenigen Hagebutten zu suchen, vor allem, wenn nebenan der Tisch überreich gedeckt ist.

Wir Menschen haben natürlich andere Kriterien, warum wir diesen prächtigen Rambler in unseren Garten pflanzen.

Aber aufgepasst, es tummelt sich, vor allem in ihrer Heimat Frankreich, eine falsche 'Adélaïde d'Orléans' in den Rosarien und Rosengärtnereien:


Adélaïde d'Orléans (falsch)

Mit diesem Namen steht sie im Parc de Bagatelle, im Bois de Boulogne, Paris. Zum Glück haben wir einen frühen Zeitzeugen, der beweist, welche Rose die Richtige ist: Pierre-Joseph Redouté hat sie in seinen vorzüglichen kolorierten Stichen verewigt.



Pierre-Joseph Redouté, Choix des Plus Belles Fleurs (1827-33)
 Adélaïde d'Orléans



Rose-Marie Viaud
Multiflora-Hybride, 1924 - Igoult, Frankreich
Duft: 2, schwach fruchtig

Auch dieser Rambler ist nichts für Vögel, da lohnt das Suchen nicht. Aber ich habe mich spontan in sie verliebt, als ich sie 1992 in Sissinghurst Castle in Südengland sah. Sie steht dort an einer alten Bachsteinmauer und rankt über einen Durchgang.

Dafür produziert 'Donau', die Mutter der 'Jeanne du Volcan' reichlich Futter.



Donau



Jeanne du Volcan

Aber auch die Tochter 'Jeanne du Volcan' trägt Hagebutten, wenn auch nicht so viele, da die Blüten stärker gefüllt sind.

Zahlreiche Hagebutten bildet hingegen 'Tuscany Superb', aber die vergammeln unbeachtet am Strauch - zu groß, macht zu viel Arbeit! Auch Vögel sind bequem!




Tuscany Superb
Gallica, vor 1837 - Rivers, UK
Duft: 2-3, leicht fruchtig

Hagebutten von Strauchrosen erbauen also nur uns Menschen mit ihren unterschiedlichen Formen und Farben, Vögel kann man nur mit den kleinen Früchten der Rambler erfreuen!

Hier noch eine kleine Auswahl der dekorativen, dicken Früchte:
 


Aimable Rouge
Gallica, 1819 - 1820, Vibert, Frankreich
Duft: 2-3, frisches leichtes Gewürz, Kardamom




Baron Girod de l'Ain
Remontant-Hybride, 1897 - Reverchon, Frankreich
Duft: 3-4, fruchtiges, leichtes Parfum




Bourbon Queen
Bourbon, 1834 - Mauget, Frankreich
Duft: 3, schwach fruchtig, Zitrone



Duchesse de Montebello
Gallica, 1824/1825 - Laffay, Frankreich
Duft: 3-4, süßliches Parfum, etwas Zitrone, Gewürz





Étoile de Hollande
Tee – Hybride, Etoile de Hollande ist der kletternder Sport der Buschform, die 1919 von Verschuren, Holland gezüchtet wurde.
 Die Kletterrose wurde 1931 durch Leenders, Holland eingeführt
Duft: 4, starker Gewürzduft, Kardamom




Gloire de Guilan
Damascena, 1949 von Nancy Lindsay im Iran gefunden
Duft: 3, leicht fruchtiges Parfum




Marbrée
Portland, 1858 - Moreau-Robert, Frankreich
Duft: 3-4, süßes Parfum, Vanille mit einem Hauch von Zitrone 



Madame Grégoire Staechlin, mit Rauhreif
Tee-Hybride, 1927 - Pedro Dot, Spanien
Duft: 3, stark fruchtig



Président de Sèze
Gallica, 1828 - Hébert, Frankreich
Duft: 4, süß



Prince Charles
Bourbon, 1842 - namenloser Gärtner des Jardin du Luxembourg, Frankreich
Duft: 3-4, fruchtig mit einem Hauch von Erdbeere und Zitrone



Rosa gallica 'Violacea'
Gallica, Ende 18. Jahrhundert - Niederlande
Duft: 2-3, sehr angenehmes, fruchtig, gewürziges Parfum



Mittwoch, 29. Februar 2012

Ein langer Weg


       
 
Heroïne de Vaucluse
Bourbon, 1863 - Moreau-Robert, Frankreich
Duft: 4, starkes würziges Parfum, ein Hauch Zitrone, Muskat
Perfekt für Rosenmarmelade!

Es begann 1991 während einer Führung durch Ingwer Jensen über seine Rosenfelder in Tornesch, nördlich von Hamburg. Er präsentierte seine Englischen Rosen, Züchtungen von David Austin aus den achtziger Jahren. Ihre herrlichen Pastellfarben und intensiven, exotischen Düfte begeisterten.  Seit dem Herbst jenes Jahres wachsen Rosen auch in meinem Garten. Bis dahin mochte ich Rosen nicht, da ich nur die "hässlichen" Tee-Hybriden aus den Vorgärten meiner Jugend kannte - sparrige Büsche, mit wenigen, großen Blüten in Farben, die meine Augen beleidigten, meist ohne jeglichen Duft. Das nächste prägende Erlebnis war 1992 die Begegnung mit Historischen Rosen in Englands Gärten.

Danach war es endgültig um mich geschehen - eine große Liebe und Leidenschaft begann.
 

Meine Dornröschen-Hecke

Nach wenigen Jahren wuchsen 23 Austin-Rosen und 120 Historische Rosen in meinem Garten.

Höhepunkt meiner Rosenkarriere war ein Natursämling, der eines Tages im Jahre 2005 unter 'Donau' entdeckt wurde. Er spannte mich 3 Jahre auf die Folter, bis er endlich blühte.


Jeanne du Volcan
Multiflora-Hybride, 2005 - Natursämling entstanden in meinem Garten
Duft: 1-2, angenehm zart fruchtig

Da hatten vermutlich die zahlreichen Bienen und Hummeln etwas Pollen von der nahen 'Bobbie James' zur 'Donau' geschleppt und den Rest hatte die Natur erledigt.

Merke: Mache mit deiner Hacke einen großen Bogen um jeden Rosensämling - es könnte eine Schönheit werden.

Ein Name musste her. Eine schöne Rose kann nur einen französichen Namen bekommen: 'Jeanne du Volcan'. Der Vogelsberg, der größte Vulkan unserer Heimat, seit über 10 Millionen Jahren erloschen, sowie eine Bekannte von mir wurden Taufpaten.

Hier die glücklichen Eltern:


'Donau'
Wichuraiana, 1913 - Praskac, Österreich-Ungarn
Duft: 1-2, schwach, lieblich, fruchtig


'Bobbie James'
Multiflora-Hybride, Graham Thomas von der Sunningdale Nursery, UK entdeckte dort 1960 diese Rose, die als Natur-Sämling entstanden war.
Duft: 4, fruchtig, süß nach Erdbeeren
Wenn man sich bei warmem Wetter auf eine Leiter stellt, wird man vom Duft der Abertausend Blüten betört, obwohl die einzelne Blüte nur mittelstark duftet. 
 
Wie man sehen kann, haben es mir Rambler besonders angetan. Sie wuchsen an 5 m hohen Dreibeinen oder in alte Obstbäume hinein. Die tausende Blüten während der 4-6 Wochen Blütezeit, mit mehr oder weniger Duft und angefüllt mit dem Gesumm der Bienen und Hummeln, faszinierten mich.

 

Charles de Mills, Président de Sèze, Hippolyte und Cardinal de Richelieu
 
Aber auch die Strauchrosen, die während ihrer Blüte im Juni 300 oder sogar 500 Blüten hervorbringen, meist mit einem tollen Duft und Farben, die der Seele schmeicheln, füllten bald den Garten. Dazu dann noch einige Remontant- und Portlandrosen, die in mehreren Schüben bis zum Spätherbst blühen, wenngleich die Büsche meist nicht ganz so schön aussehen, wie die der einmalblühenden Rosen, die auch nach der Blüte ein schönes Bild abgeben.


Aimable Rouge
Gallica, 1819-1820 - Vibert, Frankreich
Duft: 2-3,  frisches leichtes Gewürz, Kardamom

Im Jahre 2010 musste mein Rosengarten aus persönlichen Gründen umziehen. Es ging in ein provisorisches Quartier in Herbstein-Lanzenhain im Hohen Vogelsberg. Die Rosen wurden in einer Wiese von 3830 m² eingeschlagen und verbrachten den Sommer und einen Winter zwischen Schafen und Kröten am Ellerbach.





Leider klappte es mit dem Kauf des Grundstücks nicht, es wäre sonst ein Park mit Alten und Historischen Rosen entstanden, die für das rauhe Klima am Vogelsberg besonders geeignet sind.

Händeringend wurde ein Ersatzgrundstück gesucht.