Samstag, 10. November 2012

Fairtrade, Kordes, Moral



Ich muss meinen Post vom 9. März dieses Jahres ergänzen, denn Fa. Kordes hat in einer Pressemitteilung stolz mitgeteilt, dass sie Ende Oktober das Fairtrade-Siegel für ihre Schnittrosenproduktion in Kenia erhalten hat. Offenbar hat die NDR Dokumentation Wirkung gezeigt. 

Wenn man allerdings die Erläuterungen eines Herrn Brinkmann vom 2.11.2012 bei den Rosenfreunden Hannover*) liest, kommen doch Zweifel an den Motiven von Kordes: 
  
▪ Kordes zahlt keine Hungerlöhne, von denen die Familien nicht leben könnten. Kordes-Löhne sind doppelt so hoch wie der kenianische Durchschnittslohn von 30 bis 40 € pro Monat. Der Durchschnittslohn im Kordes-Betrieb liegt bei 8.000 Kenianischen Schilling, das sind ca. 80 €.  Alle Mitarbeiter von Kreative Roses in Kenia sind durch den Betrieb krankenversichert.

Ich zitiere nochmals Herrn Kordes jr. aus dem NDR-Film: "Man kann nicht einfach die Löhne verdoppeln, die Kosten, die würden dann so stark steigen und die Leute, die würden auch nicht dieses Geld nehmen, um das zur Seite zu packen, das würden die auch ausgeben." Was machen die armen Menschen nun mit dem plötzlichen Reichtum? 80 € sind auch für afrikanische Verhältnisse ein Hungerlohn!
Die glücklich lächelnde Kenianerin in der Pressemitteilung hat vermutlich gerade ihr Fotohonorar von sicherlich einem Tageslohn bekommen - etwas über 3 Euro, das ermöglicht ein vorzügliches Abendessen für ihre große Familie! 
 
▪ Kordes hat keinen Einfluss auf die Produktionsweisen von Firmen, die seine Schnittrosensorten in Lizenz produzieren. 

Lächerlich, denn wenn ich eine Lizenz vergebe, habe ich entweder Einfluss auf den Lizenznehmer oder ich vergebe keine Lizenz.

Das alles lässt mich an den Kriterien der Fairtrade-Organisation zweifeln. Hier geht es offenbar nur darum, ein Marketing Instrument zu fördern.
 
Interessant ist, dass Herr Brinkmann, NDR Hörfunkmoderator i.R., im Juli 2012 die Kordes Veranstaltung "Rosen und Lifestyle" moderierte.

*) Nachtrag vom 10.12.2012: Die Rosenfreunde Hannover haben den Artikel von Herrn Brinkmann inzwischen gelöscht, aber hier auf Seite 3, finden Sie ihn noch!
 

Kommentare:

  1. Guten Morgen Rudolf,
    prima, dass es bei Dir wieder etwas zu lesen gibt!

    Das ist wirklich ein sehr interessantes Thema. Zumal ich immer noch gegen den Import solcher Luxuswaren bin, wenn das Land bzw. die angrenzenden Länder derartige Gewächshäuser besser für die eigene Lebensmittel-Produktion gebrauchen könnten.
    Aber das ist ja eigentlich noch ein ganz anderes Thema und unsere Globalisierung und die daraus resultierende Energieverschwendung wird ohnehin immer fragwürdiger ...
    Schön, dass es bei Dir auf dem Blog auch um diese Bereiche rund um die Rose geht!
    LG Silke

    AntwortenLöschen
  2. Ich kaufe nie wieder Supermarktrosen versprochen. Die im Garten sind sowieso schöner und deren Blüten kippen auch nicht ungeöffnet in der Vase um. Liebe Grüße Annette

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und ich hatte gehofft, jetzt tun alle was für die armen Kenianer, wo doch Kordes gerade das Füllhorn über sie ausschüttet. Übrigens, Samsung und Sony verkaufen ihre Fernseher jetzt dort für 8 €, damit der Preis zu den "Nicht-Hungerlöhnen" passt.

      Löschen