Dienstag, 3. Dezember 2013

La belle au bois dormant


Sie stach sich am Dorn einer Spindel, schlief hundert Jahre, umringt von einer undurchdringlichen Dornenhecke, die sich nach diesen hundert Jahren in eine blühende Rosenhecke verwandelte. Jetzt konnte ein Prinz die Hecke überwinden und die Königstochter wachküssen. Und wenn sie nicht gestorben sind, .....
                               Illustration Walter Crane, um 1880
 
So heißt es im alten französischen Märchen, das die Gebrüder Grimm für uns aufgeschrieben haben und seitdem (?) haben Rosen im allgemeinen Sprachgebrauch Dornen! 


Jeder von uns hat sich schon einmal ein Triangel in die Sonntagsbluse oder ins gute Hemd gerissen, weil wir nur mal schnell ein Unkraut zupfen oder einen verdorrten Zweig oder eine Blüte abschneiden wollten, ohne vorher den Kampfanzug anzuziehen.
 
Aber haben wir uns die Stacheln unserer Lieblinge schon einmal ganz genau angesehen und dabei eine unglaubliche Vielfalt entdeckt? Ich mache es gerade, da ich hunderte von Fotos, die ich im Frühsommer gemacht habe, jetzt bearbeite und zu der jeweiligen Rose im Rose-Biblio einpflege und dort die Fotos auch noch in einen beschreibenden Text umsetze. Eine schöne Winterarbeit - auch wenn ich manchmal fluche - aber ich ärgere mich bei HMF immer wieder darüber, dass man nach den mageren Texten und immer wieder gleichen Fotos keine Rose auch nur halbwegs bestimmen kann. Richtig geht das eh nur, wenn man einen blühenden Zweig neben eine andere Rose hält und vergleicht. Aber dank der vielen Detailaufnahmen im Rose-Biblio, kann man dort doch schon eine Vorbestimmung machen und sich oft auch ganz sicher sein. Denn dort steht ja nicht lapidar "mild fragrance", für das letzte wichtige Vergleichsmerkmal!

So habe ich auch gleich Stoff für einen Post bei diesem kalten winterlichen Nebelwetter und kann eine Pause machen. Übrigens die hellgrauen Stacheln mit dem zarten schwarzen Muster und der hellbraunen Spitze stammen von 'Heroïne de Vaucluse'. Hier noch einige Beispiele:


'Champion of the World'

Typisch ist die dichte Bestachelung von Moosrosen: 



'William Lobb'

Dass das mit der Mutation zusammenhängt, die sich offenbar nicht nur auf die Blüte beschränkt,  sieht man gut bei 



 'Quatre Saisons Blanc Mousseux'
Oben die Moosrose, unten der Rücksport und


'Quatre Saisons', der Ursprung, wenn auch hier mit noch jungen, roten Stacheln, sieht doch genauso aus, die Stacheln sind deutlich weniger dicht.


Ganz ohne Stacheln: 'Schöne aus Angeln',
zum dazwischen arbeiten, mir am liebsten. 


 Daneben steht 'Madame Legras de Saint-Germain' - auch eine stachellose Rose, es sei denn man schaut genau hin. Am großen Strauch fand ich nach langem Suchen zwei kleine Stacheln, besonders hübsch geformt!


 Bei Gallicas - hier 'Ohl' - findet man oft nur winzige Stacheln, aber dafür viele Borsten.
 

 Nicht ungefährlich, aber wohlgeformt sind die stacheln von Rosa centifolia 'Major', sowie bei vielen anderen Centifolien.


Mein absoluter "Liebling", 'The Garland' - meterlange flexible Triebe, ineinander verhakt, schlimmer als bei Stacheldraht möglich.
 
ABER ICH LIEBE SIE ALLE! 

 Übrigens, 'Sir Joseph Paxton' hat die -7°- Nächte recht gut überstanden, nur ganz leicht lädiert.
 



Kommentare:

  1. Hallo Rudolf,
    einer meiner Lieblingsrosen heißt ja auch Stacheldraht und trotzdem komme ich immer wieder ins Schleudern und vergreife mich trotz dieser Eselsbrücke im Sprachgebrauch ;-)
    Ein sehr schöner Post. Und prima, dass Deine Rosen auch noch so wetterfest sind!
    Liebe Grüße aus einem noch eher herbstlichen Garten, in dem ich immer noch auf Laubabwurf warte. Heute gab es für die ersten 8 Rosen mal Korkenzieherweiden-Laub um die Füße ...
    Silke

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  2. Lieber Rudolf,
    ich mag die stachellose Lykkefund - da kann man ohne Handschuhe reingreifen ;-))
    Aber das Rosen so viele verschiedene Arten von Stacheln hervorbringen, ist schon interessant
    und weiß ich auch erst, seit ich mich eben mit den alten Rosen beschäftige :-)
    Tolle Bilder!
    Ganz viele gemütliche Grüße bei dem Wetter
    sendet dir Urte

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    1. Veronika hat Lykkefund, wächst in eine alte Lärche. Keine Stacheln und sehr schön dazu! The Garland hatte den Umzug nicht überstanden und erst wollte ich sie dann nicht wieder, bin dann aber doch schwach geworden - sie duftet sooo gut. Leider erfrieren gern Triebe und dann muss ich, wenn sie wieder erwachsen ist, ca 1 Sunde mit ihr kämpfen im Frühjahr, bis ich allen erfrorenen Stacheldraht entfernt habe. Sie lohnt es mit wunderschönen Blüten und Duft nach Nelken oder Orangen - je nach Lust und Laune, Wetter, Temperatur oder warum auch immer....
      Liebe Grüße - ich hoffe es ist alles sturmfest gemacht
      Rudolf

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  3. Lieber Rudolf, prima, dass Du mit diesem Post einmal die Aufmerksamkeit auf die Stacheln der Rosen gelenkt hast. Sie sind fast genauso verschieden und vielfaeltig wie die Rosenblueten. der unterschiedlichen Sorten. Ich habe hier letztes Wochenende mit dem Winterrueckschnitt angefangen und habe mich ein paar mal ordentlich gestochen, aber das gehoert wohl zum Rosengaertnern hinzu. Ich finde es erstaunlich wie 'Sir Joseph Paxton' den kalten Temperatuern standhaelt. Ob er wohl noch die Knospen oeffnen kann? Ich hoffe, Du Dein Rosengarten ueberstehen den angekuendigten Sturm unbeschadet. Liebe Gruesse,
    Christina

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    1. Liebe Christina, Winterrückschnitt klingt bei Deinem Klima lustig! Wie kalt kann es bei Dir werden? Der Sturm wird hier hoffentlich nicht ganz so schlimm ankommen, wie an der Küste. Da es nächste Woche den nächsten Frost geben soll, werden die Knospen des Sirs wohl nicht mehr aufgehen, aber es ist die einzige Rose, die noch eine halbwegs Blüte hat, wirklich erstaunlich!
      Neben den Stacheln sind auch die Blätter der Rosen betrachtenswert - da ich alle meine über 300 Rosen fotografiert habe - Stacheln, Blätter jung und ausgereift - und sie jetzt alle nochmal in die "Hand" nehme, sieht man all die Unterschiede, vorallem die Formen und Verfärbungen der jungen Blätter, an denen man sonst leicht vorbeiläuft.
      Liebe Grüsse
      Rudolf

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  4. Rudolf, ich muss meine Rosen hier hauptsaechlich zurueckschneiden, um ihre Groesse zu reduzieren. Was aber viel nerviger ist, ist das die Rosen hier wegen der Waerme ihr Laub nicht im Winter von alleine abwerfen. Sie muessen fast alle von Hand entlaubt werden, da die alten Blaetter nicht mehr schoen, sondern ziemlich mitgenommen aussehen. Ich werde Photos auf meinem Blog posten, dann kannst Du Dir ein besseres Bild machen. Hier wird es in der Regel -2 C kalt in der Nacht maximal!
    Christina

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