Samstag, 10. März 2012

Rosen einkaufen


Rosen kaufen, heute die einfachste Sache der Welt, denkt man! Natürlich, HelpMeFind führt Sie zu vielen Online-Shops, und dann sind es nur wenige Klicks und Ihre Lieblinge sind bestellt. Aber Vorsicht!


Diese Rose habe ich als 'Capitaine John Ingram' bestellt. Die Farbe stimmte in etwa, aber wo war das Moos!!!
Ich lief mehrmals durch das Europa-Rosarium in Sangerhausen, einen Zweig mit Blüte in der Hand, bis ich keine Rose mehr sehen konnte. Im dritten Jahr war ich mir dann sicher, es war 'Duc de Cambridge'.


Duc de Cambridge
Damascena, 1800 - Laffay, Frankreich
Duft: 3- 4, fruchtiges Parfum, Vanille und Zitrone

Jedem, der schon einmal 20 bis 30 Rosen gekauft hat, kann so etwas passieren, nicht nur bei Historischen Rosen. So auch der Rosenfreundin Ute, die bei einem bekannten Garten- und Pflanzenversand eine Rosa centifolia 'Muscosa' bestellte und diese bekam:

            Foto: Ute Zengerling-Salge
Utes schöne Unbekannte III

Es ist wohl eine öfterblühende Bourbon. Ein Steckling steht bei mir neben 'Louise Odier', mit der sie große Ähnlichkeit hat, wenngleich die Blüten etwas kleiner sind. 

Wie ist das möglich? Arbeiten die Rosengärtnereien beim Vermehren so nachlässig? Nein, die Rosen bekommen schon beim Veredeln ein Etikett mit Namen, Verwechselung ausgeschlossen! Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, warum einige Rosen bei HMF mit so vielen, angeblich synonymen Namen aufgeführt werden oder warum die von den Mitgliedern eingestellten Fotos gelegentlich offensichtlich verschiedene Rosen zeigen?

Und dann steht im Online-Katalog bei einigen Rosen: Leider noch kein Foto! Dann müssen Sie besonders vorsichtig sein. Ein seriöser Rosengärtner stellt nur eigene Fotos seiner eigenen Rosen ein - leider machen das nicht alle. Fragen Sie daher vor der Bestellung, auch wenn man nach einem Blütenfoto allein keine Rose bestimmen kann, aber es gibt doch etwas Sicherheit. Rosengärtner, die sich keine Mutterpflanzen zur Reisergewinnung halten, haben die Blüten ihrer Historischen Rosen vielleicht noch nie gesehen, wenn sie nur wurzelnackte Pflanzen verkaufen. Denn diese Rosen blühen im Jahr nach der Veredlung noch nicht, es werden aber bereits wieder Reiser für die nächsten Veredlungen genommen. Bei einem reinen Händler können schon eher Verwechselungen passieren. Und erwarten Sie von einer Rose vom Discounter nicht unbedingt die auf der Verpackung abgebildete Rose, sie hat auch oft einen Fantasienamen!

Es begann oft schon im 19. Jahrhundert. Friedrich Schneider II, der bekannte Rosenfachmann aus Wittstock, beklagte sich bereits 1883 in seinem Rosenjahrbuch in der "Rangliste der edelsten Rosen" auf Seite 143ff im Kapitel: "Rosenkataloge und Rosenschwindel" über die Usancen der Rosenzüchter und -händler. Es war üblich, dass Züchter ihre Rosen weiterverkauften. Der Kollege gab ihnen dann oft einen neuen Namen und verkaufte sie als "Neuheit". Wir kennen es von einigen der Rosen: gezüchtet von A als B, in den Handel gebracht von C als D. Dann ist man wenigstens vorgewarnt, aber oft steht nur der "Zweitzüchter" dabei. Die Beschreibung der Rosen war oft dürftig oder es wurden nur Lobeshymnen in schönen Worten in die Kataloge gesetzt. Falsche Schreibweisen der Namen wurden kopiert und immer wieder kopiert, möglichst nochmals verfälscht. Auch der Rosenzüchter Lambert aus Trier beklagt sich in diesem Buch über seine Kollegen, die gern ähnliche Rosen liefern, wenn die Originalrose vergriffen ist, ohne dies zu vermerken..
Wenn französische Rosennamen für den englischen Markt übersetzt wurden, kann ich das ja noch verstehen, die Kunden sollen ja keinen Knoten in die Zunge bekommen. Dass für unterschiedliche Länder ganz unterschiedliche Namen vergeben und heute dann auch noch geschützt werden, finde ich nicht gut. Man gibt seinen Kindern keine Namen zur freien Wahl.

Die Folge ist, dass wir Kunden glauben, wir würden zwei verschiedene Rosen erwerben, es ist aber nur ein und dieselbe. Gleiches passiert auch heute noch. Jemand, der es wissen muss, erzählte von einem Rosengärtner, der seinen Kollegen fragte: "Du hast da doch die Rose A, die sieht so ähnlich aus wie B. Kannst Du mir einige Reiser liefern, ich möchte sie gern als B verkaufen". Oder er erwirbt in gutem Glauben Reiser und verkauft die Rose dann ungeprüft unter dem falschen Namen.

Es gibt auch positive Erfahrungen: Ich hatte bei HMF ein Foto einer seltenen Rose gesehen, das sich von den anderen Fotos dieser Rose abhob. Der Besitzer nannte mir seine Quelle, die Roseraie de Berty hatte sie aber nicht mehr im Katalog. "Ja, wir haben sie noch im Garten, aber da wir Zweifel am Namen haben, bieten wir sie nicht mehr an." Nur hatte die zweite angegebene Lieferadresse laut Foto eine andere Rose unter diesem Namen und der Dritte bezog seine Reiser von Nr. 2. Also Vorsicht mit den Angaben bei HelpMeFind!

Dank der Internet-Foren beginnen Rosengärtner mitlerweile umzudenken. So erzählte mir Herr Schultheis jr., dass er Hinweisen über unstimmige Namen nachgeht, die betreffenden Rosen in Container setzt, um sie besser beobachten zu können und sie, wenn der richtige Name nicht feststellbar ist, auch aus dem Sortiment nimmt. Außerdem stellt er nur noch eigene Fotos online.


Auch im Europa-Rosarium Sangerhausen stimmt nicht jeder Name. Schilder können vertauscht sein oder man hat von einem Händler oder aus z.B der Roseraie du Val de Marne in L'Haÿ-les-Roses, Paris, seltene, in der Sammlung noch fehlende Rosen bekommen. Die gehen dann aber erst in die Quarantäne-Abteilung. Dort sah ich im Oktober diese als 'Van Huyssum', Gallica, bezeichnete Rose. Es war klar, der Name war falsch, eine Gallica blüht nicht im Oktober und hat auch kein Moos. Aber die Rose war so schön und duftete so gut - die getrocknete Blüte duftet nach über einem Jahr immer noch etwas - dass ich sie haben wollte. Leider war sie nach einem Jahr verpflanzt und ich konnte nicht um ein Reis bitten. Sie bleibt die große Unbekannte.


1 Kommentar:

  1. Ha, und ausgerechnet bei Herrn Lambert ist es uns mit seiner Gruß an Zabern passiert ;-) Die 3 Varianten hatten wir jedoch nacheinander alle blühend als Containerrose gekauft, so dass es keine Enttäuschung für uns war. Damals hatten wir zum Glück auch noch unseren Karteikasten mit den Rosenfotos beim Kauf dabei, so dass wir uns ganz bewusst für diese Unstimmigkeiten entschieden.
    Bis auf ganz wenige Ausnahmen kaufen wir wegen dieser Erfahrung nur noch blühende Containerrosen. Gut zu wissen, dass bei Schultheis jetzt so viel Wert darauf gelegt wird, denn der Weg ist uns leider zu weit. Da gibt es dann doch ab und an mal eine Internetbestellung.
    VG Silke

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