Dienstag, 13. März 2012

Die Last mit den Namen


Über die häufige Namensverwirrung bei Historischen Rosen und dem oft sorglosen, gelegentlich kriminellen Umgang damit - dies bereits im 19. Jahrhundert - habe ich im letzten Artikel berichtet. 

Jeder, der sich mit Botanik befasst, hat von den Regeln der Namensgebung botanischer Arten zumindest gehört. Aber was ist mit den Kulturpflanzen, z.B. unseren Rosen, an die wir gern ein Namensschild stellen oder hängen?
 

'Charles de Mills' oder 'Bizarre Triomphant(e)'?
Gallica, vor 1790 - unbekannter Züchter, Holland
Duft: 2, leicht zitronig
 
Bei HMF finden Sie noch 14 weitere Namen und Schreibweisen. Ein Name kann doch nur richtig sein! Vielleicht gibt es noch einen 17. Namen, den der unbekannte Züchter aus Holland ihr gegeben haben könnte.

Es existiert ein internationales Regelwerk für die Namen der Kulturpflanzen, an das sich bei Rosen aber nur wenige halten:

ICNCP - International Code of Nomenclature for Cultivated Plants.
In Artikel 28.4 wird verlangt: 'Make sure that publication of the cultivar’s name is not against the wishes of its raiser or breeder'.

Handelsnamen, die oft schöner und einprägsamer sind, dürfen nur mit Zustimmung des Züchters verwendet werden. Nur können Vibert oder Robert nicht mehr gefragt werden. Und Sie werden sagen, das Regelwerk besteht doch erst 60 Jahre seit 1952.

Ich habe aber schon immer die Meinung vertreten, dass wir Respekt vor den Züchtern unserer Lieblinge und vor ihrer Leistung haben sollten. Dann können wir uns doch nicht einfach über ihre Namensgebung hinwegsetzen! Ich bin deshalb dazu übergegangen, auf den Schildern den ursprünglichen Namen, soweit er sich feststellen lässt, zu verwenden und den gebräuchlichen Namen klein und in Klammern darunter zu setzen.

Mir sind nur zwei Spezialisten für Alte Rosen bekannt, die sich ernsthaft mit diesem Thema in ihren Büchern auseinandersetzen: Brent C. Dickerson und François Joyaux. Man ist nicht immer einer Meinung. So sagen beide, dass 'Busard Triomphant', dies ist einer der angeblichen 16 Namen, und 'Charles de Mills' zwei verschiedene Rosen sind, bei den sg. Synonymen ist man sich nicht mehr einig. Joyaux hält 'Bizarre Triomphant' für den ursprünglichen Namen. Das Europa-Rosarium kennt ihn nicht, die Roseraie du Vale-de-Marne, L'Haÿ, stuft ihn als das Synonym ein. Da der Name 'Charles de Mills' aber erst nach 1840 auftaucht, wie Joyaux es in seinem Standardwerk über Gallicas "La Rose de France" ausführlich darlegt, ist er sicherlich nur das Synonym.

Bleiben wir bei dieser Rose. In meinem Garten stehen zwei weitere, die ihr zum Verwechseln ähnlich sehen: 'Belle Rosine' und 'Belle de Yèbles'. Der einzige Unterschied, den ich bislang feststellen konnte, ist ein um 3 bis 5 Tage unterschiedlicher Blühbeginn. Allerdings ist die Duftbeschreibung in meinen alten Aufzeichnungen auch verschieden. Jetzt stehen alle drei direkt nebeneinander und es wird sich weisen, ob sie identisch sind.


Belle Rosine
Gallica, um 1840 - Vibert, Frankreich
Duft: blumiges Parfum mit eigenartiger, harziger Note

Sie stammen alle aus Sangerhausen, von dort bezog Herr Weingart seine Reiser, für die bei ihm gekauften Pflanzen.
August Jäger beschreibt 'Belle Rosine' im "Rosenlexikon" 1936 als kirschrot. Welche Kirsche hatte er dabei im Sinn? Oder sah er eine junge Pflanze? Ich erinnere mich an die ersten Blüten, die sahen tatsächlich viel heller aus und man hätte sie kirschrot nennen können. Herr Joyaux, den ich in Commer nach dieser Rose fragte, unterbrach das Rasenmähen und kam mit einem überquellenden Ordner zurück, um zu bemerken: "Elle est morte". Damit ist die Rose in Sangerhausen und bei mir wohl doch 'Bizarre Triomphant'. 


Belle de Yèbles
Gallica, um 1830 - Desprez, Frankreich
Duft: 2-3, leichtes, gutes Parfum, Gewürze

Bei 'Belle de Yèbles' bringen die Ausführungen in "La Rose de France" leider keine Erhellung, kein Foto, nur den Züchter, mit Erwähnung der ersten Dokumentationen und den Verweis, dass sie in Commer, L'Haÿ und Sangerhausen wachsen.

Sagen Sie jetzt bitte nicht, ganz klar, die sehen doch gleich aus! Nach einem Foto kann man keine Rose bestimmen, auch nicht nach einer Blüte. Man braucht die Pflanzen unter gleichen Bedingungen nebeneinander, auf gleicher Unterlage, und dann gilt es Triebe, Stacheln und Borsten, Blätter, Knospen und Blüten in allen Details und Entwicklungsstadien zu vergleichen, und bitte den Duft nicht vergessen!

Eine andere interessante Rose ist 'La Belle Sultane'.


La Belle Sultane
Gallica, Ende 18. Jahrhundert - unbekannter Züchter, Holland
Duft: 2-3, sehr angenehmes, fruchtiges Parfum, Gewürz

In "La Rose de France" wird auf 4 Seiten dargelegt, warum sie nicht 'Violacea' oder 'Maheka' heißen kann. Ich will es hier im Einzelnen nicht wiederholen, jeder, der sich für diese Rose / Rosen interessiert, mag es in dem Gallica-Werk nachlesen, es ist nicht einfach mit dieser Rose und ihrem Namen!

Einfacher ist es mit 'La Bienheureux de La Salle', bei uns bekannt als 'Madame Isaac Pereire'. Der Züchter, Armand Garçon, ein Gärtner und begeisterter Züchter aus Rouen, taufte sie im Gedenken an den Begründer der Kongregation der "Brüder der christlichen Schulen" auf 'Le Bienheureux de La Salle'. Er übergab die Rose zur Vermarktung an Jules Margottin aus Bourg-la-Reine, der nichts Besseres wusste, als sie sofort in 'Madame Isaac Pereire' umzubenennen, vermutlich um einer reichen Kundin oder deren Gatten, einem Bankier, zu gefallen.

Ein Foto folgt im Sommer!

1 Kommentar:

  1. Wir wurden mit dem Thema Namensgebung bei der Gruß an Zabern von Lambert konfrontiert. Zeitweilig hatten wir sie von Schütt, Rosenrot in Hannover (die wohl ihre Rosen überwiegend von Schultheis beziehen) und aus der Schloßgärtnerei Lützow. Und alle waren unterschiedlich. Leider ist uns die Lützower Rose eingegangen, denn wir mochten alle drei sehr gerne. Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob in Sangerhausen nicht noch eine weitere Variante steht ...
    Rosengrüße von Silke

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