Sonntag, 27. Januar 2013

Grüne Rosen


Am 10. Februar um 13:30 Uhr sendet das ZDF in der Reihe "planet e." einen Bericht über die Rosen, die "aufmerksame" Männer am Valentinstag verschenken werden.

Hier die Sender-Information:
  
"Arbeiter auf den Blumenfarmen Afrikas und Lateinamerikas, denn von dort kommen die meisten Rosen, die es in Deutschland zu kaufen gibt. Immer mehr Verbraucher wollen „faire Rosen“ – nachhaltig produziert unter „fairen“ Bedingungen  für die Farmmitarbeiter.                       Bild: ZDF                                               In Deutschland haben Blumen mit dem Fairtrade-Logo mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent, die Nachfrage wächst rasant weiter. Kann es Massenproduktion unter fairen Bedingungen überhaupt geben? Wer überwacht, dass tatsächlich Fairtrade drin ist, wo Fairtrade draufsteht? Und wie sieht es tatsächlich aus mit der Verwendung von Pestiziden bei der Rosenproduktion? Gemeinsam mit dem deutschen Fairtrade-Geschäftsführer Dieter Overath reist „planet e.“ auf Blumenfarmen nach Kenia, wo viele der Rosen angebaut werden, die hier mit dem Fairtrade-Label verkauft werden. Tatsächlich sind Fairtrade-Farmen oft Vorbild beim Wassermanagement, verwenden weniger Pestizide als die „Nicht-Fairtrade“-Farmen nebenan und bezahlen ihre Arbeiter besser. Doch das Kontrollsystem hat auch Lücken. Nur einmal im Jahr lässt sich der Kontrolleur blicken: Freiraum für kriminelle Machenschaften – vor allem dann, wenn die Nachfrage steigt wie vor dem Valentinstag."(Text: ZDF)
Wiederholung auf ZDFinfo am 13.02.13 um 10:45 Uhr. 
 
Ich bin gespannt, was das ZDF herausgefunden hat. Aber eins ist sicher, Schnittrosen im Winter zeugen von der Einfallslosigkeit der Männer!
 

Sonntag, 20. Januar 2013

Wunder der Natur


Irgendwann läuft jedem ernsthaften Rosenfreund das Wort "Sport" über den Weg. Es bedeutet eine spontane Mutation, z.B. der Farbe der Rose oder die Ausbildung von einem dichten Besatz der Knospen, z.T. auch abgeschwächt der Blätter mit Drüsen, dem sogenannten Moos, das ein harziges, intensiv duftendes Sekret abscheidet. Tee-Hybriden bringen die Eigenschaft des Kletterns hervor, auch wenn eine Rose nicht klettern kann, aber es sind die dauerhaft erscheinenden langen Triebe von einigen Metern Länge gemeint. Alle anderen Eigenschaften einer Rose bleiben bei einer solchen spontanen Mutation gleich.

 
'Aimable Rouge' ist bekannt, aber wer hat meine heutige Hintergrund-Rose schon einmal gesehen? 
  

Es ist auch 'Aimable Rouge', ein heller Sport, der in meinem Garten entstanden ist. Leider habe ich vergeblich versucht ein Auge dieses Triebs zu okulieren, ich war wohl zu früh dran, die Unterlage war noch nicht reif. Dann kam der Umzug und die neue Rose war verloren.
 
Im gleichen Jahr entstanden noch zwei weitere Sports, sie gingen leider auch verloren.



Dies ist ein Sport von 'Tuscany Superb', man sieht beide Blüten nebeneinander.

           

Es ist Fanny Pavetot, einmal Original und als heller Sport.

Wie konnte das passieren, gut 15 Jahre wachsen die Rosen vor sich hin und dann plötzlich 2009 erfreuen mich gleich drei Rosen mit einer Farbmutation! Die Erklärung ist vermutlich, dass in allen drei Rosen Winden und Ackerwinden wuchsen, die ich mit dem Spaten nicht entfernen konnte. Deshalb habe ich deren Blätter vorsichtig mit nur leicht verdünntem Glyphosat eingestrichen, damit ja die Rosenblätter nichts abbekamen. Denn die reagieren auf dieses Herbizid mit verkrüppelten Blättern und Trieben. Offenbar sind doch geringe Spuren auf die Rosen geraten und haben die Mutationen ausgelöst. Ich werde das in diesem Jahr nochmals probieren, und falls wieder Sports entstehen, versuchen diese im August zu veredeln.
 

Freitag, 18. Januar 2013

Zuwachs


Wer meine Rosenliste rechts am Rand aufmerksam verfolgt hat, sollte gemerkt haben, dass es Zuwachs gegeben hat. Dort stehen jetzt 281 Namen.
 
Hat natürlich niemand hingeschaut und meine Entscheidungs-Qualen gefühlt! Sie stehen noch nicht im Garten, das dauert noch bis Anfang März, aber ich will sie schon einmal zeigen:
  
     Foto: Historische Rosenschätze 
Daphné
Gallica, 1819 - Vibert, Frankreich
 
Über Daphné habe ich im letzten Post ja schon geschrieben. Es gibt noch eine purpurrote Rose mit diesem Namen aus der gleichen Zeit, die auch von Vibert, 1819 sein soll:


So steht sie in Commer, in der Sammlung von François Joyaux. Es wurden noch viele alte Schriften studiert und aus dem Netz heruntergeladen, viele Mails mit Frau Schütte von Historische Rosenschätze ausgetauscht - zum Schluss waren wir uns einig, die helle Rose ist die Richtige und die kommt jetzt auch! 
 
Wenn Ihr mehr über diese Rose und die noch folgenden wissen wollt, klickt bitte rechts am Rand in meiner Rosenliste den Namen an, dann seht Ihr die komplette Information!
  


                                         3 Fotos: Cornelia Schütte 
Unschwer zu erkennen, eine Moosrose - Die Durchscheinende
La Diaphane, 1848 - J. Laffay, Frankreich 

Die nächste Rose war auch noch ein schwieriger Fall: In Sangerhausen stand lange Gallica auf dem Schild, aber als ich meine Fotos von dort betrachtete, war klar, es ist eine Portland. Sie remontiert auch, aber in der Literatur macht sich diese Rose äußerst rar:

     Foto: Corinna Schütte





  
 Les Saisons d'Italie
Portland, unbekannter Züchter und Jahr
Der Name lässt auf Italien als Ursprung schließen, aber dazu war nichts zu finden.



                                        2 Fotos: Corinna Schütte


Petite Orléanaise 
Gallica, vor 1843 - unbekannter Züchter
 
Der Name verweist zwar auf Orléans, dieser Ursprung lässt sich aber nicht belegen. Einige Autoren ordnen sie als Centifolie ein, sie hat aber alle Eigenschaften einer Gallica. So wird sie auch bei Simon & Cochet geführt, die sich in aller Regel auf die Angaben der Züchter beziehen.

    Foto: Historische Rosenschätze



Le Rosier Pompon Blanc oder Rose de Meaux White
Centifolie, 18. oder Beginn 19. Jahrhundert, Sport von Rosa centifolia 'Pomponia' / Rose de Meaux

Der Engländer Robert Sweet erwähnt diesen Sport 1814, ent-
standen ist er vermutlich schon früher.    

 Von der folgenden Rose habe ich leider noch kein Foto:
 Souvenir de Madame August Charles
Bourbon, 1866 - Robert & Moreau, Frankreich 
  
Dafür von Nummer 7:


                                      2 Fotos: Corinna Schütte

Surpasse Tout
Gallica, vor 1823 - unbekannter Züchter, Niederlande
  
So, das sind die neuen Schätze - wie lange dauert es noch bis zum Juni und werden alle schon blühen? 
 
Herzlichen Dank an Corinna Schütte, für die zur Verfügung gestellten Fotos. Die Eigenen stammen aus Sangerhausen und Commer. Im Juni werden dann Fotos aus meinem Park nachgereicht, natürlich mit Duftbeschreibungen, auf die ich ebenso gespannt bin! 

Dienstag, 15. Januar 2013

Rosen Alzheimer


Die grauen Wintertage geben mir die Muße, durch die virtuellen Kataloge der Rosengärtner zu blättern - es gab da doch noch einige kleine Lücken im Park .....! Außerdem könnte der heftige Kälteeinbruch - es sind jetzt gerade -10°C - nach dem warmen Weihnachtsfest, die eine oder andere empfindliche Rose zum zweiten Mal treffen, die dann endgültig durch eine frosthärtere ersetzt wird. 
 
Ich landete bei Peter Beales Roses und stieß auf eine schöne, weiße Centifolie: 'White Provence' mit dem Synonym 'Unique Blanche'.
 
Dazu gab es noch 50% Januar-Rabatt - die Versandkosten von 20 £ - die Paketdienste haben immer noch nicht realisiert, dass es in Europa keine Grenzen mehr gibt - ließ mich dann doch genauer hinschauen.
Es soll der weiße Sport von Rosa centifolia sein, den Greenwood (oder Grimwood) 1775 in England gefunden hat, der aber vermutlich in Holland entstanden ist und sich auch in Frankreich verbreitete. Bei Schultheis war es 'Vierge de Cléry', mit dem Synonym 'Unique Blanche', was sicherlich falsch ist, Bierkreek zeigte kein Foto, bei allen anderen Anbietern war ein Foto von 'Vierge de Cléry' zu sehen, mit den typischen sich einrollenden Petalen, wenn die Blüten älter werden und den Einfluss einer Chinarose zeigen, die die Rose auch nachblühen lässt und die wächst bei mir ja bereits!
 

Einen Tag vorher sah sie noch so aus, wie das Foto bei Beales. Dabei hat Redouté sie doch schon dargestellt:
 
              Rosier unique, Redouté Les Roses 
Dann sah ich beide bei Vintage - mit dem identischen Foto von 'Vierge de Cléry'! Einer Firma, die sich den Alten Rosen verpflichtet fühlt, sollte das doch auffallen. Aber vielleicht finden sich genügend Dumme, die beide Rosen für den stolzen Preis von je 45 $ kaufen, um dann festzustellen, sie haben ein Doppeltes Lottchen erstanden und einen Beitrag zum Erhalt des angeschlagenen Schiffes geleistet.


Auch in Sangerhausen fotografierte ich diese 'Vierge de Cléry' 2008 als 'Unique Blanche', Grimwood 1778. Zur Ehrenrettung von Sangerhausen muss ich aber sagen, sie stand in der "Quarantäne"-Abteilung IV und wurde inzwischen verpflanzt. Das neue Namensschild kenne ich allerdings nicht.
  
Wer die Namen seiner Lieben vergisst oder ständig verwechselt, hat meist Anzeichen von Alzheimer - sollte das eine um sich greifende Rosengärtner-Krankheit sein? Beales, der dicke Bücher über Historische Rosen geschrieben hat, sollte doch Redouté kennen. Aber in Classic Roses zeigt er ein Foto von 'Vierge de Cléry' mit allen drei Namen. Im onlineshop kennt er nur noch zwei!
 
Bei Redouté & Thory findet man auch eine schöne Geschichte zu dieser Rose, hier die englische Version:
‘It was Mr Grimwood, a nurseryman and a great rose-lover with a splendid collection, who by chance, discovered this rose around 1777. He was accustomed to taking a summertime excursion and on one such day, noticed this charming specimen whilst passing the garden of Mr Richmond, a baker near Needhad in the county of Suffolk. It had been planted there by a carpenter who had been repairing a Dutch merchant’s mansion and had found it near a hedge on the merchant’s contiguous premises. Mr Grimwood, on requesting a small cutting, instead received the whole plant from Mr Richmond. To thank the latter for such a generous present, on his return home he sent him an elegant silver cup with the rose engraved upon it. Mr Richmond used it to his dying days, in memory of the occasion.’

Also gab es keine Bestellung bei Beales! Bei Historische Rosenschätze fand ich dafür diese schöne Gallica:


Es soll 'Daphné', Vibert 1819 sein. HMF ist wieder einmal nicht helpful, man zeigt Bilder von drei verschiedenen Rosen und niemand merkt, dass da etwas nicht stimmen kann! In Commer habe ich 'Daphné' so gesehen und so steht sie auch in Mottisfont:
 
 
Jäger sagt, sie sei Hellrosa, mit dem Synonym 'Don de l'Amitié'. Dann nennt er noch eine Bengal-Hybride , unbekannter Züchter 1855, lebhaft karmin, sowie eine vor 1817 in England entstandene, dunkelrosa 'Daphne', unbekannter Zuordnung. C. Nickels beschreibt sie 1836 als "purpurroth". Simon & Cochet in ihrer Nomenclature beschreiben die Vibert-Rose als "rose clair" und die Bengal-Hybride aus 1855 als "carmine". Joyaux beschreibt in La Rose de France die carminfarbene Rose, die in seiner Sammlung und in Mottisfont steht.
 
Dann habe ich es aufgegeben und beschlossen, die schöne Dame, so wie sie bei Corinna Schütte angeboten wird, zu kaufen. 

Wie können die Rosenliebhaber und -spezialisten nur immer wieder die Namen ihrer Lieblinge vergessen - Alois Alzheimer hat doch erst am 25. November 1901 den ersten Fall der nach ihm benannten Krankheit gesehen!
 

Mittwoch, 9. Januar 2013

Erinnerungen


Die milden Wintertage machen keine Lust auf Garten - der hat Pause - geben aber Gelegenheit, alte Fotos zu betrachten. 
Wie im Post vom 29. Februar 2012 beschrieben, begann alles 1991 auf den Rosenfeldern von Ingwer Jensen und ein Jahr später in Südengland:   
In Sissinghurst sah ich die ersten Historischen Rosen!



In diese Rose-Marie Viaud, die über einen Durchgang dieser herrlichen Backsteinmauer rankte, verliebte ich mich spontan und sie kam drei Jahre später auch nach Lauterbach. So lange brauchte Austin, um eine verkaufswürdige Pflanze zu ziehen. 

Diese Bilder sind von meinen Dias abfotografiert, daher die nicht so hohe Qualität. Es kamen dann noch viele Fotos aus Gartenanlagen und von alten Häusern mit Rosen hinzu, hier nur einige wenige:


Upton House


Hidcote Manor, das Cottage von außerhalb des Parks gesehen


Haus in Holmbury St. Mary


Biddenden

Bei mir haben die Bilder Reiselust geweckt - bei Euch auch?

Besucht habe ich neben Sissinghurst Castle Garden, Upton House and Gardens und Hidcote Manor, Rousham House and Gardens, Hampton Court Palace, Wisley Garden, Gardens of the Rose in St. Albans, Hever Castle and Gardens, Great Dixter House and Gardens und Austin's Display Garden. Jeder Garten war die Reise wert - was aber noch unbedingt sein muss, ist Mottisfont Abbey Garden mit seiner einmaligen Sammlung Historischer Rosen.